In der Bezirksliga C kam es in der zweiten Runde am 29.1.2026 gleich zum prestigeträchtigen Lokalderby der beiden Eimsbütteler Schachklubs Union und Weisse Dame. Sechs Tage zuvor in der Basisklasse gewann unser Konkurrent noch mit 2½:1½ denkbar knapp und äußerst glücklich. Und allein der Blick auf die Erfolge der jeweiligen ersten Mannschaft in den letzten Jahren deutete schon an, dass uns unser Nachbar eigentlich schon lange überholt hat.
Trotzdem war Union 3 auf dem Papier gemäß DWZ-Durchschnitt vermeintlich sogar einen klitzekleinen Tick stärker als Weisse Dame 3. Deshalb kam es streng genommen nicht wirklich überraschend, dass unser Nachwuchstalent Motoki Ogawa bereits um 19:50 Uhr das 1:0 schoss. Herzlichen Glückwunsch!
Eine gute Stunde später sorgte ich allerdings selbst für den Ausgleichstreffer. Was gibt es Schöneres, als genau an seinem Geburtstag Schach zu spielen? Die ersten zehn Züge liefen zudem fantastisch genau wie vorbereitet. Doch im elften Zug wurde der Schimmel auf einem etwas anderen Feld abgesetzt, was ich sogar ebenfalls noch im stillen Kämmerlein im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Schirm hatte. Allerdings sollte Schwarz dann lieber etwas anders fortsetzen.
Zwar verwechselte ich also nach dieser unscheinbaren Neuerung sofort die beiden Varianten ein wenig. Trotzdem war mein Remisangebot im 21. Zug völlig stellungsgerecht. Mein Gegner, gegen den ich vor rund zwanzig Jahren beim damaligen Wichern-Open schon einmal spielte und sogar gewann, hatte vielleicht noch eine Rechnung offen, lehnte jedenfalls höflich ab und opferte prompt seinen Springer, der mich doch schon im elften Zug gehörig nervte.
Irgendetwas muss ich falsch verstanden haben; denn an seinem Ehrentag soll man doch Geschenke bekommen und nicht stattdessen verteilen. Jedenfalls konnte ich kurz danach wählen, wohin ich meinen auf e6 angegriffenen Läufer ziehen sollte, nach d7 oder f7. Auf dem richtigen Feld hätte ich bzw. zumindest ein Computerprogramm auch weiterhin die Partie in der Remisbreite belassen. Natürlich wählte ich als perfekter Gastgeber das falsche und wurde sogleich wunderschön in nur fünf Zügen mattgesetzt. Vielen Dank!
Dasselbe Schicksal ereilte viel später zudem übrigens noch zwei meiner Mannschaftskameraden. So verblieb mir zum Trost viel Spaß als Kiebitz beim Anblick etlicher aufregender Stellungen. Vor allem erspähte ich einige hübsche Taktikaufgaben für meine Kombiecke der HMM, die ich nach Beendigung der Mannschaftskämpfe dann im Sommer 2026 wieder online stellen möchte.
Die beiden Remisen am Ende hätten, mit Unioner Brille betrachtet, auch Siege für uns werden können. Selbst zwei weitere Niederlagen hätten genauso nicht sein müssen bzw. sogar in einem Fall ein Sieg werden sollen. Insofern darf am Endergebnis von 3:5 durchaus gehadert werden. Umgekehrt sollte diese knappe Heimniederlage für uns eher ein Ansporn sein, es in zwei Wochen auswärts eben wieder viel besser zu machen.
